Teller statt Tonne

Gemeinsam mit Auszubildenden gestalten wir einen Aktionstag: wir starten in der Schule mit einer Einführung in das Thema „was hat die globale Lebensmittelverschwendung (neudeutsch: „Food Waste“) mit mir und meinem beruflichen, sowie privaten Alltag zu tun?“: diese „Harte Kost“ wird auf Basis der Teller statt Tonne-Materialien von Lotte Heerschop anschaulich aufbereitet. Dann geht es auf den Bio Hof: dort werden wir von der Lernort Bauernhof Pädagogin anschaulich in das Geschehen auf dem Hof eingeführt. Zusammen mit dem Gärtner geht es dann im Laufschritt auf die Äcker, wo wir überreifes Gemüse kennenlernen, alte Sorten entdecken und dann selbst ernten dürfen: noch nie gesehener bunter Mangold, riesiger Lauch, übergroße Kräuter&Co: so vieles, was bisher aufgrund Größe und Stadium auf dem Acker bleibt und wir aber als kreative Auszubildende bestens verwerten können. Damit geht es in die Waschanlage auf dem Hof, wo auch die Gemüsekisten für die anstehende Lieferung an den Großhandel fertig gestellt werden. Der Hallenmeister führt uns noch durch die riesigen Räume, in denen für den Winter die haltbaren Gemüse wie Karotten und Kürbis eingelagert werden. Dann ab in die Küche, wo wir spontan das Menü zusammenstellen, die Aufgaben verteilen und loslegen. Nach anderthalb Stunden hat sich aufgrund weiterer spontaner Ideen das Menüangebot verdoppelt und eine bunte Vielfalt neuer Aromen wartet auf hungrige und kritisch prüfende EsserInnen. Als Hausaufgabe bekommen wir noch übergroße Rote Bete mit, die wir nach einem Vorschlag von Slow Food milchsauer einlegen. Die gesamte Einheit wird durch unsere Berufsschullehrerin begleitet, die beim Aktionstag in der Küche auch mal beiden Augen zudrückt, was die üblichen Vorschriften an Schürze, feste Rezepturen und Co betrifft. Was wir mitnehmen: sowohl Zuhause als auch in der Kantine der Schule und in den Lehrbetrieben lassen sich ein Großteil der jährlich rund 80kg Lebensmittelmüll vermeiden durch einfaches Verwerten und kreatives Mitdenken. Die Kooperation mit den regionalen Höfen bringt nicht nur frische Erzeugnisse, sondern auch eine neue Nähe zur Urproduktion. So werden aus Konsumenten „Ko-Produzenten“ und das schon im 1. Lehrjahr.

TsT

Die Aktion kann mit Auszubildenden aller Berufssparten durchgeführt werden, weil sie die jungen Erwachsenen auf sinnliche Weise an wichtige Themen heranführt. Sie lernen bewusster einzukaufen, sensibel mit „Lebensmittel-Resten“ umzugehen und nebenbei neue soziale Beziehungen mit ihren MitschülerInnen aus verschiedenen Herkünften knüpfen. Die gesellschaftlichen Inhalte des Aktionstages tragen zu neuen Blickwinkeln bei, die die jungen Erwachsenen aufmerksamer an wichtigen Zusammenhängen Anteil nehmen lässt. Sie lernen über die Vielfalt auf dem Acker und die Nöte der Lebensmittelbranche Aspekte nachhaltigen Wirtschaftens kennen. Das erweiterte Blickfeld fördert ihre verantwortliche Umgehensweisen sowohl in ihren angestammten beruflichen Zusammenhängen als auch im sozialen Umfeld.

So wird der Aktionstag mit seinen originär biodiversen-agrarischen Themen zu einer Grundlage für weitgehende pädagogische und gesellschaftliche Themen. Das Konzept setzt die Grundidee des Lernens durch Begeisterung hervorragend um, da Menschen aus der Praxis authentisch die Leitideen vermitteln.

Ansprechpartnerin:
Sigrid Alexander, sigrid@naturschule-region-bodensee.de